Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A – Bohmte und Lemförde 2011
Thema: Das Gleichnis von den Talenten –
oder: Die Pädagogik Jesu
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Liebe
Schwestern und Brüder, |
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Pastor
Stefan Schwegmann |
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Liebe Eltern,
1. Verunsicherte Eltern
Erziehungsratgeber sind heute in.
In den Regalen der Buchhandlungen.
Bei den Zeitschriften.

Und im Fernsehen ist es die Super-Nanny
,Auch in den Kindergärten merken wir:
Viele Eltern sind verunsichert.
Sie sind sich unsicher, wie sie ihre Kinder erziehen wollen.
Und das fängt schon bei der Auswahl des Stramplers an.
Eine junge Mutter hat mir
erzählt, wie sie zusammen mit einer Freundin losgefahren ist,
um Kleidung für ihr Baby zu kaufen.
Im Geschäft gab es einen Strampler mit der Aufschrift:
Abitur 2018.
Die Freundin sagte spontan:
„Das ist ja ein witziger Strampler.
Den lass uns kaufen."
Die Mutter sagte mir, sie
habe einen Augenblick darüber nachgedacht und dann entschieden,
den Strampler nicht zu kaufen.
Und das ganz bewusst.
Um ihrem Kind keine falschen Botschaften überzustülpen.
Nach dem Motto:
„Unser Kind muss Abitur machen."
->> Diese Sensibilität und diese Entschiedenheit der Mutter hat mich nachdenklich gemacht und beeindruckt.
2. Amy Chua
Eine zweite Beobachtung:
Von allen Erziehungsratgebern wird in diesem Jahr wahrscheinlich das Buch von Amy Chua am meisten diskutiert.
Amy Chua ist eine chinesische Einwanderin in den USA.
Sie ist Professorin für Jura an der Eliteuniversität von Yale.
Und sie ist Mutter von zwei Kindern.
In ihrem Erziehungsratgeber spricht sich Amy Chua vor allem für Zwang, für Drill und für Disziplin aus.
Sie kritisiert die lasche Erziehung in den westlichen Ländern.
Und viele ihrer Erziehungsratschläge stammen aus ihrem Heimatland, aus China.
Um einen kleinen Geschmack von dem zu bekommen, was sie unter Erziehung versteht, möchte ich Amy Chua selbst zu Wort kommen lassen.
Sie hat in diesem Jahr dem Magazin „Der Spiegel" ein Interview gegeben, und aus diesem Interview möchte ich ein paar Zeilen zitieren.
Der Spiegel fragt:
Frau Chua, erläutern Sie doch einmal die Rezepte chinesischer Elternschaft
.Amy Chua antwortet:
Liebe und Zuhören, immer jedoch gepaart mit hohen Erwartungen.
Chinesische Eltern drillen ihre Kinder jeden Tag. Wenn das Kind keine perfekten Noten nach Hause bringt, hat es einfach nicht hart genug gearbeitet.
Westliche Eltern werden ihr Kind für eine Eins minus loben.
Die chinesische Mutter jedoch wird nach Luft schnappen und fragen, was falschgelaufen ist.
Soweit das Zitat.
Wenn man das ganze Interview liest, dann wird deutlich, was Amy Chua in der Erziehung ihrer Kinder wichtig ist.
Und das sind:
- Die Kinder sollen Erfolg haben.
- Sie sollen nicht nur gut sein, sondern perfekt.
- Leistung ist das, was zählt.
- Und dem muss sich alles andere unterordnen.
3. Die Pädagogik Jesu: Jeder kann was
Liebe Eltern,
Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus Christus hat keinen Erziehungsratgeber geschrieben.
Und doch sagt Jesus ganz viel über die richtige Erziehung.
Wenn Er über die Würde von uns Menschen spricht.
Wenn Er über den Sinn und das Ziel unseres Lebens spricht.
Und ganz konkret, wenn Jesus heute im Evangelium über die Talente spricht.
Es ist ein Gleichnis, eine Beispielerzählung, die wir heute gehört haben.
Es war die Rede davon, dass ein Mann drei Diener hatte.
Dem einen gab es fünf Talente.
Einem anderen zwei
.Und dem dritten gab er ein Talent.
Und damit sind wir bei der ersten Klarstellung.
Jesus sagt:
Es gibt keinen Menschen, der nichts kann.
Jeder kann was.
Jede und jeder hat Fähigkeiten.
Wenn man Kinder beobachtet, dann kann sieht man das sofort:
-
Ein Kind ist sportlich.- Ein anderes Kind liest gerne und hat ganz viel Fantasie.
-
Und ein drittes Kind ist geschickt und hilft dem Opa bei allen möglichen Arbeiten.->> Bei der Geburt ist kein Mensch leer ausgegangen.
Gott der Schöpfer hat jedem von uns Gaben und Fähigkeiten gegeben.4. Du musst kein Einstein sein
Liebe Gemeinde
,Als dann der Herr wiederkommt – so erzählt Jesus weiter – fragt er alle drei, was sie aus ihren Talenten gemacht haben:
Der, der fünf Talente hatte, hat noch fünf hinzugewonnen.
Und der, der zwei Talente hatte, hat noch zwei hinzugewonnen.
Und jetzt kommt das Interessante:
Der Herr lobt beide gleichermaßen.
Er sagt:
Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener.
Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen.
Ich will dir eine größere Aufgabe übertragen
.Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Damit sagt Jesus:
„Du musst kein Einstein sein.
Kein Professor.
Kein Millionär.
Es ist nicht wichtig, wie viele Fähigkeiten Du hast.
Und was Du alles hast und bist.
Wichtig ist nur:
Was Du aus Deinen Fähigkeiten machst."
Und da beginnen die Arbeit und die Anstrengung:
Nur faul auf der Coutsch liegen
, geht nicht.Die Zeit vor dem Computer verspielen
, geht nicht.Nur Fernsehen
, geht nicht.->> Jeder hat Talente.
Jeder hat Fähigkeiten. Die sollen wir entfalten. Aus denen sollen wir etwas machen.5.
Fähigkeiten für andere einsetzenEs geht also im Leben darum, aus seinen Fähigkeiten und Begabungen etwas zu machen.
Die nächste Frage, die dann auftaucht ist die:
# Die Talente entfalten, ja.
Aber mit welchem Ziel?
Und für wen?
Amy Chua denkt vor allem daran, dass die Kinder so erzogen werden, dass sie etwas für sich selbst erreichen.
Die Kinder sollen Karriere machen und irgendwann viel Geld verdienen.
->> Darum geht es.
Jesus hat eine andere Perspektive.
Wir sollen unsere Begabungen nicht nur für uns selbst einsetzen.
Sondern auch für unsere Mitmenschen.
Zwei Beispiele:
An diesem Sonntag ist bei uns in Bohmte ein großes Jubiläumskonzert.
Viele musikalische Menschen singen und musizieren da.
Zu ihrer eigenen Freude, und zur Freude des Publikums.
Ein zweites und bekanntes Beispiel ist der Heilige Martin.
Er war vital und erfolgreich.
Aber er behielt nicht alles für sich.
->> Er teilte seinen Mantel mit einem Bettler.
Und nachts im Traum sieht Martin Jesus Christus.
Und Jesus trägt den Teil des Mantels, den Martin dem Bettler geschenkt hat.
->> Was Du dem geringsten meiner Brüder und Schwersten getan hast, das hast Du mir getan.
6
. FazitAnfangs habe ich gesagt, das ich den Eindruck habe, das heute viele Eltern verunsichert sind, weil sie nicht genau wissen, wie sie ihre Kinder erziehen wollen und sollen.
Eine große Hilfe dazu finde ich im Evangelium
.Jesus hat keinen Erziehungsratgeber geschrieben.
Aber heute im Evangelium schlägt Jesus ein paar Eckpfeiler ein.
Erstens:
Es gibt keinen Menschen, der nichts kann.
Und es gibt keinen Menschen, der alles kann.
->> Jedes Kind, jeder Jugendliche, jeder Erwachsene hat
Fähigkeiten und kann was.Zweitens:
Es kommt nicht darauf an, wie viele Fähigkeiten Du hast.
Es kommt darauf an, aus den Fähigkeiten, die Gott uns gegeben hat, etwas zu machen.
Drittens:
Denk nicht nur an Dich selbst.
Tu was für andere.
Und Viertens:
Das, was für das ganze Leben gilt, das gilt auch durch und durch für die Pädagogik und für die Erziehung:
Auf die Liebe kommt es an.
Eine Erziehung mit tausend Methoden ist kalt und leer, wenn sie nicht in Liebe geschieht.
->> Liebe kostet nichts.
Und doch können wir unseren Kindern nichts Kostbareres schenken als Liebe.